Witwen und Waisen

In Gesprächen merke ich immer wieder, wie flüchtig über die Begriffe „Witwen und Waisen“ in der Bibel hinweggelesen wird. Das war bei mir sicher auch nicht anders. Meine Großmutter und Frauen ihrer Generation waren die einzigen Witwen, die ich kannte: Alte Frauen, die schwarz oder zumindest sehr dunkle Kleidung trugen. Waisen waren für mich Kinder, die keine Eltern hatten.

„Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden.“ (Ex 22, 21-23)

Die Drohung macht klar, dass Witwen und Waisen nicht zwei voneinander getrennte Gruppen sind, sondern durch den Ehemann und Vater miteinander verbunden sind.

Judit ist seit drei Jahren Witwe und wird mit einer „schönen Gestalt und blühendem Aussehen“ geschildert (Jdt. 8, 7). Das entspricht nicht meiner Vorstellung einer Witwe.

Für Jakobus gehört zu einem „reinen und makellosen“ Gottesdienst auch, für „Waisen und Witwen“ zu sorgen (Jak. 1, 27)

Der Ehemann/Vater sorgte für Schutz und Unterstützung. Die Witwen und Waisen gehörten neben den Fremden und Armen zu den untersten Schichten. Ihre Behandlung war wohl nicht besonders gut, sonst hätten Gesetz und Propheten nicht immer wieder dazu auffordern müssen, sie nicht auch noch auszubeuten.

„Witwen und Waisen“ sind keine zwei Gruppen – modern ausgedrückt, handelt es sich um alleinerziehende Mütter.

Inzwischen haben wir die Hinterbliebenenrente erfunden und damit den Witwen und Waisen in unserer herkömmlichen Vorstellung geholfen. Mir scheint, dass das Thema „Alleinerziehende“ in den Medien als neu, bisher nicht dagewesen betrachtet wird. Die Frage, wie alleinerziehende Mütter zu unterstützen sind, ist aber nicht neu.

Der biblischen Antwort haben wir kaum eine bessere entgegenzusetzen: Alleinerziehende sollen die Erziehung ihrer Kinder besser mit ihrer Arbeit vereinbaren können.

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Ein Gedanke zu “Witwen und Waisen

  1. Der Begriff „Alleinerziehend“ und dessen Verbreitung sind neu UND hat etwas mit Gleichstellung zu tun, denn inzwischen gibt es auch mehr alleinerziehende Väter als früher, und sie sind mit gemeint. Relativ neu ist auch, dass sich mehr Frauen entscheiden, ein Kind aber keinen Mann zu wollen. Diese Entscheidung ist für Frauen leichter in die Tat umzusetzen als für Männer. Da müsste jetzt mal was für die Gleichberechtigung der Männer getan werden.

    Deinem Fazit stimme ich zu. Alleinerziehende – aber nicht nur sie – sollten Beruf und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren können. Heute können viele Familien nicht oder nur schlecht von einem Gehalt leben. Es braucht zwei Verdiener oder wenigstens anderthalb.

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