Was für ein Tag

Für mich gab es heute mehrere Aufreger:

Heute Morgen hörte ich im Deutschlandfunk in einem Beitrag, dass immer weniger christliche Konvertiten aus dem Iran Asyl gewährt bekommen (Asylgrund Religion). Ich will gar nicht bestreiten, dass es Asylbewerber gibt, die eine Konversion vortäuschen, um Asyl zu erhalten. Aber ist ein Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu einer Prüfung der religiösen Überzeugung befähigt? Und ein Richter hat welche theologische Ausbildung? Ich frage mich, ob die Konversion in eine muslimische Minderheit, die im Heimatland des Asylbewerbers verfolgt wird, oder zum Judentum genauso untersucht wird. Leider ist auf der Homepage des BAMF nicht so einfach etwas zum Thema „christliche Konvertiten aus dem Iran“ oder auch nur „Christen aus dem Iran“ zu finden. Das Suchergebnis listet veraltete Urteile von Verwaltungsgerichten auf, die in dieser Form schon gar nicht mehr existieren. Ich konnte in einem Entscheiderbrief nur einen Hinweis darauf finden, dass Asylbewerber die Konversion offenbar tatsächlich missbräuchlich als Asylgrund angegeben hatten. Aber rechtfertigt dieser Fall – und in keinem anderen Entscheiderbrief konnte ich eine andere Meinung finden – das grundsätzliche Misstrauen gegenüber Christen aus islamischen Staaten?

Der andere Aufreger besteht eigentlich aus zwei Teilen: Erika Steinbach ist zur Vorsitzenden der Desiderius Erasmus Stiftung gewählt worden (vgl. ZEIT-Artikel). Dass eine der AfD nahestehende Stiftung überhaupt nach Erasmus von Rotterdam benannt wird, ist schon empörend. Aber damit nicht genug: Erika Steinbach lässt sich zur Vorsitzenden wählen und schwafelt von „Freiheit für die Wissenschaften“. Das verschlägt mir glatt die Sprache. Ich kenne Erika Steinbach nicht persönlich und vielleicht sie eine eigentlich nette Frau, vielleicht würde ich in einem persönlichen Gespräch sogar gut mit ihr auskommen. Aber sobald Erika Steinbach sich öffentlich zu Wort meldet, dann vergesse ich meine gute Kinderstube und mir fallen nur noch Worte ein, die zwar zutreffend sind und die auch nicht durch andere Worte deutscher Sprache ersetzt werden können, die aber in einem Wörterbuch mit „vulgär“ gekennzeichnet wären.

Ich habe mir dann noch – so zur Ablenkung – den Text unserer Nationalhymne vorgenommen und mir die Änderungswünsche („Heimatland“ statt „Vaterland“ und „couragiert“ statt „brüderlich“) durch den Kopf gehen lassen. Ich kann damit leben, Heimatland statt Vaterland (oder auch Heimatsprache statt Muttersprache) zu sagen. Aber „couragiert“ (also beherzt, unerschrocken)? Irgendwie habe ich ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend, wenn Deutsche aufgefordert, statt „gemeinsam“ (brüderlich) „beherzt, unerschrocken“ zu streben. Gut, es wird nach Einigkeit und Recht und Freiheit gestrebt – aber wir Deutsche neigen zur Übertreibung und einmal in Gang gesetzt, halten wir nicht so schnell an. Außerdem hätte ich lieber ein deutsches statt einem Fremdwort. Das wäre der deutschen Nationalhymne angemessener. Übrigens: Die Änderung der Bundeshymne Österreichs, die als Vorbild genommen wurde, hat nicht das Wort „Vaterland“ getroffen. Das singen die Österreicherinnen nach wie vor. Und auch die Kanadier, deren Nationalhymne ebenfalls geändert wurde, hat die „true patriot love“ (also die wahre Vaterlandsliebe) statt nur auf Söhne auch auf die Kanadierinnen ausgedehnt. Der Vorschlag von Frau Kristin Rose-Möhring, das Wort „Vaterland“ zu ändern, ist ja verständlich (immerhin verdient sie mit sowas ihr Geld). Aber Österreich und Kanada als Vorbild dafür zu nehmen, scheint doch irgendwie an den Haaren herbeigezogen. Ich kann auch die Ungeduld verstehen, mit der Frauen auf „Entmännlichung“ der deutschen Sprache drängen, und ich würde dabei mitmachen und natürlich auch dabei, die deutsche Sprache zu „entfrauen“, warum müssen sich jedoch diese Versuche so gekünstelt und sperrig in der Aussprache anhören? Vielleicht sollte man den Deutschen einfach mal Gelegenheit geben, ihre Sprache selbst zu entwickeln.

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2 Gedanken zu “Was für ein Tag

  1. Wie wäre es denn mit „treu vereint“ statt „brüderlich“ Stimmt silbenzahlmäßig, ist singbar und drückt doch mehr oder weniger dasselbe aus wie brüderlich (im Sinne von Zusammenhalt).

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