Genderst du schon oder noch oder hast du es aufgegeben?

Der Bezirk Lichtenberg von Berlin hat sich dem Gendern verschrieben – leider mit wenig Erfolg. Anträge sollten nur noch behandelt werden, wenn sie geschlechtsneutral bzw. weder ausschließlich männlich noch weiblich formuliert seien. Dann sollte in der Bezirksverordnetenversammlung eine neue Rednerliste eingeführt werden, wonach immer ein Mann und eine Frau (oder eine Frau und ein Mann) abwechselnd reden sollten; nur wenn keine Person des anderen Geschlechts mehr einen Redebeitrag habe, dürften Verordnete gleichen Geschlechts aufeinander folgen. Beide Vorhaben sind gescheitert.

Eine Mandantin, die einen Wohnungskaufvertrag beurkunden ließ, beschwerte sich, weil ich bei der Erstellung des Entwurfs einen „Käufer“ nicht in eine „Käuferin“ geändert hatte. Als Mann könne ich gar nicht verstehen, was für eine Übersetzungsarbeit Frauen leisten müssten, um sich von den vereinnahmenden Männlichkeitsformen zu lösen. „Da haben Sie recht: Ich würde mich sogar durch die Weiblichkeitsformen benachteiligt fühlen, weil sie ja letztlich nur das weibliche Anhängsel der Männlichkeitsformen darstellen: Käufer und Käufer-in.“ Für einen kurzen Augenblick war die Stille, in der ich das Augenrollen hörte … Ich hätte es auch besser verstanden, wenn sie sich durch die Männlichkeitsformen „ausgeschlossen“ statt „vereinnahmt“ gefühlt hätte.

Jede weibliche Form eines männlichen Substantivs der deutschen Sprache – und einiger Fremdwörter – ist doch irgendwie ein Anhängsel: An das Mann-Wort wird nur ein „in“ gehängt und schon ist Frau gleich- und nicht nachberechtigt?- Man wird als Frau nicht geboren, man wird zur Frau gemacht. Büger*in,- LeserIn, Präsident/in …. sieht doch noch mehr nach Anhängsel aus (und das „in“ ist noch nicht mal die Hälfte der Buchstabenzahl).

Eigentlich habe ich sogar eher das Gefühl, dass der bestimmte Artikel „die“ und die mit bestimmten Artikeln verbundenen Attribute den Mann benachteiligen: Ein Mann und noch ein Mann sind „die“ Männer – ein großer Mann wird bestimmt zu „der große Mann“ (das attributiv gebrauchte Adjektiv hat doch eine eindeutig weibliche Endung). Aus dem Roman, den ein Mann liest, wird der „gelesene“ Roman und der Mann selbst zu „der lesende Mann“. Das müsste man/frau natürlich mal empirisch untersuchen, aber wenn jedes männliche Substantiv von Singular ins Plural weiblich wird und jedes Attribut zwischen bestimmtem männlichen Artikel und Substantiv weiblich ist – ist dann die deutsche Sprache wirklich frauen- oder nicht eher männerfeindlich?

Also wenn schon behördenseits gegendert wird, dann bitte konsequent auch in der Weise, dass die männlichen Substantive männliche Attribute und Pluralformen bekommen.

Wie schrieb  Harald Martenstein im Zeit-Magazin vom 20.07.2017 so treffend: „Falls bei einer Demo drei Polizisten verprügelt wurden, dann müssen sie sofort in die erste Reihe nur noch Polizistinnen stellen, so lange, bis auch drei von denen im Krankenhaus sind.“

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