Radiofieber

Vor kurzem bin ich beim Durchsappen auf eine Wiederholung einer Folge des „Alten“ gestoßen und dachte mir, die Schauspieler kennst du doch …. also per Internet gesucht: Petra Zieser. Ich erinnerte mich an „Linie 1“ und an eine Fernsehserie aus den 80ern, aber der Titel? Mit Internet ist man ja schnell auf der richtigen Spur: „Radiofieber“ – ein Vierteiler des WDR von 1989. DVD? Ja, Glück gehabt. Also durch ein paar Läden gestöbert, aber nichts gefunden. Ist klar, was nur auf Dauer verkaufbar ist, stellt sich niemand ins Regal. Dann habe ich bei Amazon geschaut und die DVD bestellt.

Ich bin schon häufiger von meinen Erinnerungen getrogen worden: Irgendwie waren viele Fernsehfilme, -serien oder -mehrteiler nicht so ansprechend, wie ich es in Erinnerung hatte. Aber von „Radiofieber“ sind Frank und ich gleichermaßen begeistert.

Die Serie beginnt im Jahr 1917 und zeigt die Entwicklung des Rundfunks durch die Weimarer Republik. Viele Schlager sind zu hören, wenn auch nicht immer historisch korrekt, also ein bisschen zeitversetzt, z. B. „Tamerlan“ von Nelson/Tucholsky wird zu früh gespielt. Aber wer will da mosern? Der Stimmung der Serie kommt das sogar zugute. Die Serie zeigt eine Bandbreite von Personen, deren Leben, miteinander, gegeneinander – von unten bis ganz oben: So stelle ich mir das Berlin der 20er Jahre vor.

Natürlich kommt die Serie auch meiner Nostalgie entgegen. Die Schauspieler erinnern mich eben an „bessere“ TV-Zeiten: Von gestandenen Schauspielern – Uwe Friedrichsen, Klaus Höhe, Horst Niendorf, Eva Maria Meineke, Renate Schröter – oder Schauspieler, die Anfang ihrer – auch internationalen – Karriere standen – Thomas Kretschmann, Heino Ferch, Guntbert Warns (herrlich als Rundfunksignal), Angelika Milster (als dadaistische Künstlerin hätte niemand besser sein können). Und natürlich die beiden Sängerinnen Petra Zieser (als Rosie Kupinke) und Nora Barner (als Viktoria Bülow), die sich bekriegen und Zweckgemeinschaften bilden, um sich am nationalsozialistischen Gedankengut endgültig zu entzweien.  Nora Barners Vater Klaus spielt auch mit, aber auch Udo Schenk, der sich wenige Jahre zuvor aus der DDR abgesetzt hatte.

Es ist einfach spannend zu sehen, wie die Figuren ins Rundfunktgeschäft hineinrutschen und Karriere machen, wenn sie dadurch persönliche Beziehungen knüpfen oder ihre Beziehungen leiden.

Da es sich um eine deutsche Produktion handelt, spielt auch die politische Situation zum Ende des I. Weltkriegs und während der Weimarer Republik eine Rolle, allerdings eher wie eine Prise Pfeffer: Zwischen Rechts und Links kann man nicht die demokratische Mitte zeigen.

Mich hat die Serie – unerwartet – mehr aufgebaut als ich gedacht hätte. In ein paar Tagen muss ich sie mir noch einmal ansehen.

 

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