Hasselfeldts Katze

Kennt Ihr Schrödingers Katze? Bei Wikipedia wird das Gedankenexperiment so beschrieben:

Das Gedankenexperiment fingiert, dass sich in einem geschlossenen Raum ein instabiler Atomkern befindet, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfällt (Radioaktivität). Der Zerfall des Atomkerns wird von einem Geigerzähler gemessen. Im Falle einer solchen Messung wird Giftgas freigesetzt, das eine im Raum befindliche Katze tötet.

Gemäß der Quantenmechanik lassen sich beispielsweise instabile Atomkerne durch einen Überlagerungszustand aus den Zuständen „noch nicht zerfallen“ und „zerfallen“ beschreiben. Schrödinger schlägt nun vor, dass – wenn die Quantenphysik auch auf makroskopische Systeme anwendbar wäre – sich auch die Katze im Zustand der Überlagerung befinden müsste, solange niemand den abgeschlossenen Raum öffnet und den Zustand der Katze überprüft (= Messung). Sie wäre also lebendig und gleichzeitig tot. Diese Schlussfolgerung erscheint paradox.

Wikipedia: Schrödingers Katze – Gedankenexperiment

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Gerda Hasselfeldt, wollte mir am Freitag in der Debatte um das Gesetz „Ehe für alle“ erklären, dass aus einer gleichgeschlechtlichen Ehe keine Kinder hervorgehen könnten (sinngemäß, weil ich derzeit den konkreten Wortlaut nicht finde). Und ich fragte mich: Warum eigentlich nicht?

Nehmen wir mal an, die beiden Frauen A und B heiraten. Sie müssen ja nicht lesbisch sein, es könnte z. B. darum gehen, dass die finanziell stets flaue Taxifahrerin A von der Richterin am Kammergericht B mitversorgt werden soll. Nach der Hochzeit wird A schwanger – die Ehe mit B schließt Verhältnisse mit Männern nicht aus – und bekommt ein Kind. Das Kind würde man doch wohl umgangssprachlich als „ehelich“ bezeichnen, weil A verheiratet war, oder nicht? Im BGB steht, dass die Frau (!), die das Kind geboren hat, Mutter ist (§ 1591 BGB). Aber was ist B im Verhältnis zum Kind? Da sie es nicht geboren hat, kann sie nicht dessen Mutter sein. Vater kann sie laut § 1592 BGB auch nicht sein, denn das ist der Mann (!), der zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes mit der Mutter verheiratet ist, der die Vaterschaft anerkennt oder dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt wird. Also  ist das Kind doch „nichtehelich“?

Oh, es geht noch weiter: „Nichteheliche“ Kinder sind „ehelichen“ Kindern bekanntlich gleichgestellt. Stellen wir uns mal vor, B hat aus einer früheren Ehe mit einem Mann ein Kind (K1). Nachdem A das Kind (K2) während der Ehe mit B geboren hat, trennt sich B von A und zieht aus. Für die Zeit des Getrenntlebens muss B (besserverdienend) an A Unterhalt zahlen. Aber Kindesunterhalt für K2 muss sie nicht zahlen, denn sie ist ja rechtlich mit K2 nicht verwandt. Dann kommt es ganz dick: A und B vertragen sich. Kurz nachdem sie wieder zusammengezogen sind, stirbt B. Wie sieht’s mit dem Erbe aus: Aufgrund der gesetzlichen Erbfolge und der Zugewinngemeinschaft erbt A als Ehefrau 1/2. Die andere Hälfte geht komplett an K1 (dem Kind aus der früheren Ehe von B). Das Kind K2 aus der Ehe mit A erbt nichts, weil eine Verwandtschaft zu B nicht besteht.

Das nenne ich Hasselfeldts Katze: Aus einer gleichgeschlechtlichen Ehe können Kinder hervorgehen, die gleichzeitig „ehelich“ und „nichtehelich“ sind. Na, da bin ich auf die „Messung“ durch die höheren Gerichte gespannt.

Stellt sich die Frage, wie es bei einem heterosexuellen Ehepaar aussieht:

Würde es sich um die Taxifahrerin C und den Richter am Kammergericht D handeln, müsste D während des Getrenntlebens an C und für das gemeinsame (!) Kind K2 Unterhalt zahlen. D ist laut Gesetz der Mann (!), der zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes mit der Kindesmutter verheiratet war, damit ist die rechtliche Verwandtschaft hergestellt. Nach seinem Tod würde seine Ehefrau 1/2 erben, sein Kind K1 aus erster Ehe und sein Kind K2 aus der Ehe mit C würden je 1/4 erben.

Wenn man sich also Familie nicht mehr als Mann, Frau, Kind sondern als Frau, Frau, Kind vorstellt, wird eine Familie gesetzlich nicht wie die andere behandelt. Das Bundesverfassungsgericht könnte also ganz fortschrittlich feststellen, dass  die „Ehe für alle“ nicht verfassungswidrig ist, aber die §§ 1591, 1592 BGB!

Ganz ehrlich: Es heißt doch nicht umsonst „RechtsWISSENSCHAFT“. Wenn irgendein Jurist an dem Gesetzentwurf mitgearbeitet hat, müsste man ihm nicht alle Staatsexamen entziehen? Wäre dieser Jurist ein Chirurg würde man ihn murmeln hören: „Ich hoffe, es ist auch eine Blinddarmentzündung, und ich finde das Ding auch, wenn ich den Bauch kreuzweise aufschlitze ….“

 

 

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