Nachträglich zum Vatertag

Stellen wir uns einen Vater vor, der mit seinem Sohn in der Küche Essen kocht. Er sagt dem Jungen: „Fass nicht an die Herdplatte, sonst verbrennst du dir die Finger.“ In einem unbeobachteten Moment fasst der Junge die Herplatte an und verbrennt sich die Finger. Der Vater verarztet den Jungen und schickt ihn auf sein Zimmer: „… damit du nicht auch noch mit den Messern spielst und dich schneidest.“ Der Junge sitzt in seinem Zimmer und bedauert sich: Hier ist es langweilig so allen, in der Küche war es interessanter und der Papa ist auch  nicht da.

Im Buch Genesis liest sich die Geschichte so:

Genesis Kapitel  2,  Verse 15 ff. : „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte. Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.“

Gen. 3, 22 f.: „Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt! Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war.“

Die Geschichte in Gen. 3 wird gerne als „Sündenfall“ bezeichnet. Ich weiß auch noch nicht so recht, warum Juden und Christen so gerne von Sünde reden – jedenfalls ist in diesem Kapitel nicht von „Sünde“ die Rede. So wenig wie die verbrannten Finger des Jungen eine „Strafe“ für die Übertretung des väterlichen Gebots sind, so wenig sind die Folgen des Genusses vom Baum der Erkenntnis Strafe für einen Verstoß gegen göttliches Gebot. Die Vertreibung aus der Küche dient dem Schutz des Jungen wie die Vertreibung aus dem Paradies den Menschen.

Würde es sich um ein Gebot/Verbot handeln, könnte der Vater Gnade vor Strafe ergehen lassen. Hätte der Vater gesagt: „Fass nicht die Herdplatte an, sonst kriegst du kein Eis.“, dann hätte er nach der Berührung der heißen Herdplatte dem Jungen trotzdem ein Eis geben können. Die Folge (Eis oder kein Eis) steht im Belieben des Vaters.  Die verbrannten Finger sind eine unabwendbare Folge.

Adam hätte vom Baum des Lebens essen können, dann wäre ihm der folgende Ärger auch erspart geblieben. Hat er aber nicht – also trägt er die Folgen und muss mühselig den Ackerboden statt fröhlich das Paradies zu bebauen.

Väter sind zu vielem fähig: Sie können einem ein Eis geben, obwohl man die Herdplatte angefasst hat- besonders als Trostpflaster für die erlittenen Schmerzen. Aber die Hitze können sie nicht nachträglich in angenehme Kühle verwandeln.

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