Meine Nächte, meine Schulter, eine Nachtigall und ein Tango

Im Moment komme ich spät ins Bett: Ich sitze im Dunkeln, der Bildschirm vom Laptop ist die einzige Lichtquelle. Die Uhren ticken laut. Durch die offene Balkontür zieht es kalt ins Zimmer und das bekommt meiner Schulter gar nicht gut. Außerdem rauche ich zuviel. Meiner Unterhaltung dient die Nachtigall, die all die nächtlichen Großstadtgeräusche übertönt: startende Autos und Motorräder an der Ampel, Sirenen der Feuerwehrwagen, das Gespräch der beiden Jungs im Kellereingang, die vor oder inzwischen nach der Disko noch ein bisschen kiffen … Die Nachtigall ist davon völlig unbeeindruckt und singt mit einer erstaunlichen Kraft ihr Liebeslied. Stunde um Stunde verbringe ich damit, der Nachtigall zuzuhören. Ich kann mich einfach nicht entschließen, die Balkontür zu schließen (obwohl das sicher besser für meine Schulter wäre). Es wird nicht lange dauern und die Nächte werden ohne die Nachtigall stiller werden, dann kümmere ich mich wieder um meine Schulter. Und weil mein Gehirn seit über 50 Jahren Erinnerungen sammelt, fällt mir Nina Hagen ein mit ihrem Tange aus dem Jahr 1975: „Hörst du nicht die Nachtigall drüben überm Wasserfall?“. Da war sie schon von Automobil zu Fritzens Dampferband (gegründet von Michael Fritzen und Achim Mentzel) gewechselt. Ein Jahr später verließ sie die DDR.

Kälte, Schulter, Stadtlärm, Nina Hagen, Ost-West – das ist meiner „Nachtigall“ in Spandau völlig schnuppe – sie pumpt weiter …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s