Barthold Heinrich Brockes: Meine Seele hört im Sehen

 

Meine Seele hört im Sehen,
Wie, den Schöpfer zu erhöhen,
Alles jauchzet, alles lacht.
Höret nur,
Des erblühnden Frühlings Pracht
Ist die Sprache der Natur,
Wie sie deutlich durchs Gesicht,
Allenthalben mit uns spricht.

Barthold Heinrich Brockes (22.09.1680 bis 16.01.1747) war einer der Mitbegründer der „Teutsch-übenden Gesellschaft“ in Hamburg (nicht zu verwechseln mit der Teutschübenden Poetischen Gesellschaft“ in Leipzig). Die Teutsch-übende Gesellschaft bestand von 1715 bis 1717; sie hatte zwar nur wenige Mitglieder, nahm aber Einfluss auf die Bildungseinrichtungen in Hamburg (Akademisches Gymnasium, Johanneum). Brockes war auch Mitglied der „Patriotischen Gesellschaft“, die die Wochenschrift „Der Patriot“ herausgab, in der das gesellschaftliche Leben behandelt wurde (für die Jüngeren unter uns: Das war so eine Art Blog des 18. Jahrhunderts).

Das Passions-Oratorium von Brockes wurde von Händel, Telemann, Fasch und anderen Komponisten vertont. Teile der Brockes-Passion verarbeitete Bach in seiner Johannes-Passion.

Aus Brockes Gedichtband „Irdisches Vergnügen in Gott“ wählte Händel neun Gedichte aus und komponierte sie zu seinen Neun deutschen Arien (HWV 202-210). Brockes versuchte mit seinen Gedichten, die Natur als Vermittlerin zwischen Mensch und Gott darzustellten. Im Gegensatz zu seinen italienischen oder englischen Werken komponierte Händel die deutschsprachigen Gedichte beinahe minimalistisch: eine Solostimme, Generalbass und ein Begleitinstrument.

Das obige Gedicht passt vielleicht nicht gerade zum heutigen Wetter, aber von Dame Emma Kirkby gesungen klingt es einfach nach Frühling:

 

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