23. und 25.04. – Frankreich wählt – Die Guillotine

23.04.

Am Sonntag findet der erste Wahlgang zur Wahl des Staatspräsidenten in Frankreich statt. Ob bei diesem ersten Wahlgang schon ein Präsident feststehen wird oder ob – wie üblich – eine weitere Wahl stattfinden muss, ist noch offen.

Wenn ich mir die Medien durchschaue, scheinen wir Deutsche ein Interesse an Wahlen wie an Sport zu haben: Parteien und ihre Anhänger statt Fußballvereine und ihre Fans, Spitzenkandidaten statt Torjäger, Wahlgewinne statt Spielergebnisse; sind nicht auch die Kommentare ähnlich: Statt „Lauf, du alter Sack“ – „The economy, stupid“?

Auf die Wahlen in anderen Staaten, anderen Bundesländern, anderen Kommunen- wie auf Sportereignisse – haben wir überhaupt keinen Einfluss. Ist Politik nichts Anderes als Sport der Sportmuffel?

25.04.

Frankreich nach der Erstürmung der Bastille:

Jose-Ignace Guillotin war ein Arzt, der unter Hinweis auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte eine Art der Todesstrafe für alle Verbrecher einführen wollte. Statt Richtschwert, Scheiterhaufen, Vierteilung, Hängen und Kochen sollte eine Maschine verwendet und – auf Drängen des Henkers von Paris, Charles Henri Sanson – die Leidenszeit der Verurteilten verkürzt werden.

Da sich die Gegner der Todesstrafe nicht durchsetzen konnten, beschloss die Nationalversammlung, zum Tode Verurteilte – wie von Guillotin vorgeschlagen – mit einer Maschine hinrichten zu lassen.

Der königliche (sic!) Leibarzt Antoine Louis legte einen Entwurf vor, der das Fallbeil von Halifax („Scottish Maiden“) zum Vorbild hatte: Es sollte ein halbrundes Fallbeil benutzt werden, das aber in Experimenten an Leichen die Köpfe nicht ganz abtrennen konnte.

Tobias Schmidt – ein in Paris lebender Klavierbauer aus Hessen – veränderte den Entwurf Louis‘ und verwendete eine schräge Schneide.

Zunächst wurde die Maschine Louison/Louisette genannt. In den Zeitungen setzte sich aber der Name „Guillotine“ durch. Nach Guillotins Tod versuchten seine Nachkommen den Namen der Guillotine zu ändern; als dies abgelehnt wurde, änderten sie ihren Familiennamen.

Am 25.04.1792 wurde Nicolas-Jacques Pelletier öffentlich mit der Guillotine hingerichtet. Bis 1870 wurde die Guillotine erhöht aufgestellt („Schafott“). Die letzte öffentliche Hinrichtung fand am 17.06.1939 statt (Eugen Weidmann). Danach wurde hinter Gefängnismauern hingerichtet.

Die Guillotine war 185 Jahre im Einsatz: Am 10.09.1977 wurde Hamida Djandoubi als Letzter mit einer Guillotine hingerichtet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s