Blut

Ich kann es mir heute kaum noch vorstellen, aber vor rund 2000 Jahren flossen Ströme von Blut und eines der Zentren dieses Blutvergießens war Jerusalem.

In Jerusalem der Tempel, zu dem jeder Jude aus dem gesamten gelobten Land pilgerte, um Tiere zu opfern – Tauben, Ziege, Schafe, Lämmer, Rinder Die jüdischen Gesetzesbücher waren voll von Vorschriften für die verschiedenen Arten der Opfer. Im Alten Testament sind ganze Kapitel von Levitikus und Deuteronomium den Anlässen, Zeiten und Handlungen der Opfer gewidmet.

Auch in der heidnischen Welt sah es nicht anders aus: Die Opferstätten verteilten sich in den Stätten der Regionen: Ob ägyptisch, griechisch, römisch, keltisch, germanisch – auf den Altar kam, was die Viehwirtschaft hergab.

Diese Opferungen kosteten ein Vermögen und waren für die reiche Oberschicht die einzigartige Gelegenheit, ihre Großzügigkeit zu beweisen, denn die Opfertiere wurden nicht verschwendet: Verbrannt wurden fast ausnahmslos die Teile eines Tieres, die nicht genießbar waren; der Großteil des Fleisches wurde von den Teilnehmern der Opferveranstaltungen gemeinsam gegessen (Opfermahl). Für viele war es die einzige Gelegenheit, überhaupt an Fleisch zu kommen.

Das Christentum machte mit den Tieropfern Schluss.

Anstelle des Opfers wurde die Barmherzigkeit, die sich auch in Freigiebigkeit gegenüber Armen ausdrücken sollte, gesetzt.

In der Übergangsphase, als der jüdische Tempel noch stand (bis 70 n. Chr.) und in der Gemeinschaft mit Heiden, war die Frage aber nicht endgültig geklärt: Götzenopferfleisch, Blut oder Erstickes zu essen, wurde den Heidenchristen in den Jakobusklauseln auf dem Apostelkonzil (Apg. 15, 1 ff) verboten, auch wenn der einzige Augenzeugenbericht davon nichts zu wissen scheint (Gal. 2, 1 ff). Da die „Schwachen“ (im Glauben) sich davor hüteten, Opferfleisch zu essen – um nicht in Versuchung zu geraten und ihr Gewissen zu beflecken – sollten sich auch die „Starken“ (im Glauben) nicht beim Opfermahl „erwischen“ lassen, meinte Paulus, wenngleich er selbst davon ausging, dass es keine „Götzen“ gebe und somit auch der Verzehr von „Götzenfleisch“ einem Gläubigen nichts anhaben könne (1. Kor. 8, 1 ff.).

Anstelle des Opfers wurde die Barmherzigkeit, die sich auch in Freigiebigkeit gegenüber Armen ausdrücken sollte, gesetzt.

Jesus hat sich selbst als letztes Opfer dargebracht und einen neuen Bund zwischen Gott und Mensch eingesetzt, dass alle weiteren Opfer überflüssig machte.

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