Klabund: Ich hab‘ am lichten Tag geschlafen

Ich hab am lichten Tag geschlafen.
Es weint das Kind. Es blökt das Rind.
In meinem Weidenbaume trafen
Sich Leiseklug und Lockenlind.

Kaum weiß ich noch, warum ich lebe.
Vereist mein Blick. Mein Blut verstürmt.
Wenn ich die Brust im Atem hebe,
Sind Felsen über sie getürmt.

Die Schwester auch am Nebelhafen,
Sie bietet süße Brust dem Wind.
Vor klingender Taverne trafen
Sie Leiseklug und Lockenlind.

Den Sternen, die am Himmel pochten,
Warf Köcher ich und Becher hin.
Ich bin mit Mohn und Tod verflochten
Und weiß nicht mehr, ob ich noch bin.

Ich muss gestehen, dass ich von Klabund noch keinen Roman gelesen habe, aber ich mag viele seiner Gedichte – der Rest ist leider ziemlich geschludert. Wahrscheinlich ahnte er aufgrund seiner Krankheit (Tuberkulose), dass er nicht viel Zeit leben würde. Wenn seinen Biografien zu trauen ist, scheint der schmächtige Brillenträger ziemlichen Schlag bei Frauen gehabt zu haben. Er hat das Leben genossen, wenn er nicht in Sanatorien Heilung suchte. Seine Kurreisen nach Italien oder in die Schweiz brachten ihn immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten.

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