Brandenburger Tor unbeleuchtet – wo bleibt der Protest?

Heute starben bei Anschlägen: 31 Menschen in Tikrit, Irak, 7 Menschen in Mogadischu, Somailia, 6 Menschen in Lahore, Pakistan, 4 Menschen im Kharan District, Pakistan, 1 Mensch in Karachi, Pakistan (Quelle: List of terrorist incidents in April 2017).

Das Brandenburger Tor wurde wieder nicht beleuchtet. Als vorgestern der Anschlag in St. Petersburg verübt wurde, war der Protest groß, dass das Brandenburger Tor nicht die russischen Nationalfarben zeigte. Der Berliner Senat wurde kritisiert, das Brandenburger Tor nicht beleuchtet zu haben und so willkürlich Opfer von Opfern unterscheiden zu wollen.

Und heute? Noch nicht einmal eine Fortsetzung des Protests? So schnell erlahmt die Protestwelle gegen diese Art der „Willkür“? Die Kritiker von gestern setzen sich so dem Verdacht der Heuchelei aus niedrigsten Beweggründen aus und dass sie es selbst sind, die zwischen Opfern unterscheiden – ob diese aus dem „Abendland“ oder dem „Morgenland“ stammen..

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Ein Gedanke zu “Brandenburger Tor unbeleuchtet – wo bleibt der Protest?

  1. Völlig unpassenderweise hat die traurige Nachricht oder vielmehr der ihr folgende Disput bei mir gestern einen selbstironischen Heiterkeitsausbruch verursacht – dachte ich doch spontan und völlig unreflektiert: Ist doch irgendwie verständlich, dass man auf das Brandenburger Tor nicht Hammer und Sichel projizieren möchte. Gleich darauf fiel mir natürlich ein, dass die Zeiten von Hammer und Sichel vorbei sind und die russischen Nationalfarben sich nicht so grundsätzlich von den britischen, amerikanischen, französischen, … unterscheiden. Es fehlt ja nur das Weiß. Dennoch: Sind Zeiten jemals wirklich vorbei? Drohen sie nicht stets mit ihrer Wiederkehr?

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass unsere neue „Anteilnahme-Kultur“ etwas bemäntelt. Kaum noch fähig oder bereit, aus persönlichen Gründen Trauerarbeit zu leisten, eignen wir uns fremde Trauer an, tragen Arme voller Blumen zu Kreuzungen, an denen ein Radfahrer unter einen LKW kam, versammeln uns zu Gedenkgottesdiensten für diese oder jene Opfer, legen Schweigeminuten in Fussballstadien ein, … Keinen von denen, deren wir da gedenken, kannten wir überhaupt. Im Grunde trauen wir immer vorab um uns selbst, falls es später niemand tun sollte. Man hätte mit dieser „Solidaritätsbestrahlung“ des Brandenburger Tores gar nicht erst anfangen sollen.

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