Mein Wort zum Wochenende: „Richtige Christen werden nicht depressiv“ …

 

… schrieb mir im vergangenen Jahr an einem anderen Netzplatz eine Christin. Dass ich mich nicht schämte, schwul zu sein, zeige schon, dass ich kein richtiger Christ sei. Die Depression sei darum auch nur die Folge meines unchristlichen und widernatürlichen Lebenswandels.

Was ist schon ein richtiger Christ? Jesus wählte sich aus seinem Jüngerkreis 12 aus und schickte sie in die Welt. Wir wissen, dass diese 12 Apostel ziemlich unterschiedliche Charaktere hatten: Der leicht erregbare Simon Petrus, der zweifelnde Thomas, der verräterische Judas Iskariot usw. Wenn diese 12 schon so verschieden waren, wie wird es da erst mit seinen anderen Jüngern gewesen sein?

Ein richtiger Christ ist jeder, der Jesus nachfolgt: Gleichgültig, ob er Mann oder Frau, Katholik oder Lutheraner, Deutscher oder Grieche, Kaufmann oder Penner ist. Richtige Christen können sich ein Bein brechen – richtige Christen können sich auch die Seele brechen.

Wolfgang Amadeus Mozart hat eine einzige große Alt-Partie geschrieben: Judith in dem Oratorium „La Betulia Liberata“ – das befreite Betulien, das auf das deuterokanonische/apokryphe Buch Judith zurückgeht. Judith befreit die Stadt Betulien, indem sie dem Heerführer der Belagerer (Holofernes) den Kopf abschlägt.

Bei Mozart singt Judith, bevor sie die Stadt verlässt, dass sie unbewaffnet ist, aber sich nicht fürchtet, dass sie alleine geht, aber sicher ist, dass sie zu den Schatten will, aber sich nicht entsetzt, denn der sie zu diesem Wagnis entzündete, begleitet und beschützt sie, in ihrer Seele, ihrem Geist ist er und sie hört ihn wiederholen, dass sie siegen wird.

Zwischen den beiden nachfolgenden Versionen dieser Arie kann ich mich nicht entscheiden, weil sie beide so gut sind:

Schönes Wochenende!

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2 Gedanken zu “Mein Wort zum Wochenende: „Richtige Christen werden nicht depressiv“ …

  1. Als aufrechte Lutheranerin sag ich mal: „Richtige Christen verbreiten nicht so ein misst wie die Frau von der du berichtest.“ Als ob Krankheiten ursächlich mit Glauben oder Unglauben zusammenhängt – wenn ich sowas höre stellen sich mir die Nackenhaare auf.

    1. Es gibt viel zu viele Christen, die zu gerne über „Sünden“ reden (die der anderen, versteht sich). Sie finden dann immer eine Erklärung für die Krankheit, Arbeitslosigkeit usw. des anderen. Manchmal belustigt mich das, manchmal ärgert es mich – je nach seelischer Tagesform belustigt mich (wieder), dass es mich ärgert.

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